Manchmal stehen wir auf

Letzten Samstag war ich in Hamburg beim Projekt Spiritualität der evangelischen Kirche. Das Thema war einem Gedicht von Marie Luise Kaschnitz entlehnt:

Manchmal stehen wir auf
stehen wir zur Auferstehung auf
mitten am Tage mit unserem lebendigen Haar
mit unserer atmenden Haut.       

Wir haben mit Eutonie unseren Körper erspürt, haben in einer Körper-Meditation dem Kreuz Gestalt gegeben und Mandala-Bilder gemalt. Dabei wurde sichtbar, wie die Themen der Osterzeit: Kreuz - durchkreuztes Leben - Sterben - Tod - Auferstehung - Neubeginn  aktuell auch im Leben jeder einzelnen präsent sind.

Ich bin immer wieder dankbar über die Bereitschaft von Kursteilnehmerinnen, sich zu öffnen und die anderen an den eigenen Erfahrungen teilhaben zu lassen, so wie diesmal: Das Zurückschrecken vor dem Kreuz und dem Tod in seiner Brutalität - die Sorge und Trauer angesichts der Schrecken, die uns jeden Tag in den Nachrichten begegnen - schwere Krankheit - gescheiterte Beziehung - Ausgebrannt-Sein...

Aber auch die kleinen Wunder, die im Alltag geschehen: Dass in der Zeit der Krankheit sich neue Lebensmöglichkeiten auftun. Dass der Blick auf Ereignisse sich wandelt und Chancen sichtbar werden. Dass der Fokus sich verschiebt. Dass Schreckensnachrichten nicht länger das Leben lähmen. Dass neue Lebenskraft spürbar wird, neue Beziehungen entstehen, Neuaufbruch gelingt...

All dies sind Erfahrungen, die wir miteinander teilen, egal ob wir Christen, katholisch oder evangelisch, Buddhisten sind, einer anderen Religion angehören oder auch keiner. Sie verbinden uns als Menschen.

Für mich als Christin ist Ostern die Erinnerung daran, dass ich ja schon erlöst bin - auch wenn sich das manchmal noch nicht so anfühlt. Und dass es wohl des Todes, des Nullpunktes bedarf, um neu ins Leben zu treten. In der Mitte des Kreuzes fallen alle Gegensätze zusammen und es entsteht etwas, was sich dem Verstand entzieht. Für mich hat die Botschaft vom leeren Grab und der Auferstehung etwas tröstliches. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das ist eine Hoffnung, aus der ich lebe. Aber sie bliebe abstrakt, ohne solche Begegnungen, ohne das Erzählen vom Leben, dass immer wieder den Tod überwindet - schon jetzt.

In diesem Sinn wünsche ich Dir ein frohes Osterfest!
Martina

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